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Typisch saarländisch – eine Landschaftsanalyse (Teil 1)

Luftbild Ortschaft und Landschaft

Wieso eine Landschaftsanalyse

Landschaft im Saarland?

Das Wort “Landschaft” beschreibt im Allgemeinen den Charakter einer Gegend, die als Ganzes betrachtet wird und sich gegenüber anderen Gebieten abgrenzt. Die Landschaft ist dabei kein genau abgegrenzter Raum, sondern eher eine lose Einheit. Die Nutzung des Begriffes (der geografischen) Landschaft lässt sich dabei seit der Renaissance nachweisen.

[…]
In des Waldes Geheimniß entflieht mir auf einmal die Landschaft,
Und ein schlängelnder Pfad leitet mich steigend empor.
Nur verstohlen durchdringt der Zweige laubigtes Gitter
Sparsames Licht, und es blickt lachend das Blaue herein.
[…]
“Der Spaziergang” – Friedrich Schiller

Was ist die typisch saarländische Landschaft?

Was ist also die typisch saarländische Landschaft? Ist es das eher industriell geprägte Saartal von Beckingen bis Saarbrücken oder eher der dünner besiedelte Nordwesten zwischen Sankt Wendel und Wadern? Wie viel Wald gibt es im Saarland, oder herrscht eher die Landwirtschaft mit Feldern und Wiesen vor?

All diesen Fragen möchte ich mit einer kleinen Reihe auf meinem Blog auf den Grund gehen. In diesem ersten Teil geht es um die saarländische Landschaft im Allgemeinen und den Anteilen von Wald, Wiesen und Siedlungen im landesweiten Zusammenhang. Wie viel Wald gibt es im Saarland, wie viel bebaute Fläche und wie viele Wiesen und Weiden? Diese Fragen werde ich mit Hilfe des Corine-Land-Cover-Projektes (siehe auch den Abschnitt weiter unten dazu) beantworten und schauen, was die saarländische Landschaft ausmacht.

Was ist das Corine-Land-Cover-Projekt?

Corine-Land-Cover (CLC) ist ein Projekt der Europäischen Union, dass flächendeckend und einheitlich für alle Mitgliedsländer Informationen zur Landbedeckung und Landnutzung zur Verfügung stellt. Durchgeführt und organisiert wird das Projekt von Copernicus, dem europäischen Erdbeobachtungsprogramm. Das CLC-Projekt deckt alle 39 europäischen Länder ab, hier geht es aber nur um die Landnutzung im Saarland.

Landbedeckung und Landnutzung sind wichtige Anzeiger für Umweltbelastungen und menschliches Handeln, sie zeigen aber auch den Charakter einer Landschaft. Ist sie eher ländlich geprägt, oder eher städtisch, herrschen Wälder vor oder eher Wiesen?
CLC-Daten werden seit den 1990er Jahren regelmäßig europaweit auf der Basis von Satellitendaten erhoben. Die Mindestkartiereinheit (MKE) ist dabei 25ha für Flächen. Lineare Objekte wie Flüsse müssen eine Mindestbreite von 100m vorweisen. Flächen die unter der MKE liegen, werden automatisch der nächst passenden Klasse zugerechnet.

Es gibt insgesamt 44 Klassen, in denen die Landnutzung eingeteilt wird, wobei im Saarland 25 vorkommen. Diese 44 Klassen sind dabei in fünf Hauptgruppen unterteilt: Bebaute Fläche, Landwirtschaft, Wälder und naturnahe Flächen, Feuchtflächen und Wasserflächen. Diese Hauptgruppen unterteilen sich wieder in 15 weitere Klassen, worauf schlussendlich die 44 Detailklassen basieren.

Ich habe die Standard-Farben der Corine-Land-Cover-Karten ein wenig angepasst, um eine etwas gefälligere Darstellung zu erreichen.

Atlas der Landnutzung des Saarlandes

Es gibt ja bereits einige Kartenwerke, die auch die Landnutzung im Saarland darstellen, wie einige Dienste des saarländischen Geoportals. Allerdings ist mir keins bekannt, welches auf Gemeindeebene und landesweit die Landnutzung im Vergleich darstellt. Nach der Lektüre von Alasdair Raes hervorragenden Werks für das Vereinigte Königreich wollte ich einen vergleichbaren Atlas für das Saarland erstellen. Im ersten, diesen Teil, der Blogreihe stelle ich die Landnutzung im saarlandweiten Überblick vor. Der zweite Teil wird dann die Gemeinden unter die Lupe nehmen und einige, besonders herausragende, vorstellen und in einem downloadbaren Atlas präsentieren. Und nun, ohne weitere Umstände die Karte. Eine Version zum Downloaden gibt es weiter unten.


LandnutzungFlächeAnteil
Wiesen und Weiden602.10 km²23.47%
Laubwälder596.35 km²23.24%
Nicht durchgängig städtische Prägung375.86 km²14.65%
Nicht bewässertes Ackerland363.93 km²14.19%
Mischwälder292.69 km²11.41%
Nadelwälder133.93 km²5.22%
Industrie und Gewerbeflächen, öffentliche Einrichtungen70.39 km²2.74%
Landwirtschaftlich genutztes Land mit Flächen natürlicher Bodenbedeckung von signifikanter Größe29.74 km²1.16%
Komplexe Parzellenstruktur26.65 km²1.04%
Wald- Strauch- Übergangsstadien24.02 km²0.94%
Sport- und Freizeitanlagen8.80 km²0.34%
Obst- und Beerenobstbestände8.54 km²0.33%
Städtische Grünfläche7.25 km²0.28%
Deponien und Abraumhalden4.60 km²0.18%
Wasserflächen4.39 km²0.17%
Natürliches Grünland4.27 km²0.17%
Straßen-, Eisenbahnnetze und funktionell zugeordnete Flächen3.48 km²0.14%
Durchgängig städtische Prägung2.39 km²0.09%
Abbauflächen2.26 km²0.09%
Flughäfen1.19 km²0.05%
Baustellen0.99 km²0.04%
Weinbauflächen0.62 km²0.02%
Gewässerläufe0.62 km²0.02%
Hafengebiete0.46 km²0.02%
Sümpfe0.00 km²0.00%

Landschaft im Saarland

Wie die Karte und die Tabelle zeigen, sind Waldflächen die hauptsächliche Landnutzung im Saarland. Laubwälder, Nadelwälder und Mischwälder bedecken rund 40% der Landesfläche. Landwirtschaftliche Flächen bedecken einen ähnlich großen Anteil wie die Wälder mit ebenfalls rund 40%, wobei Wiesen und Weiden den größten Anteil an der Landesfläche mit rund 23% haben. Überbaute Flächen wie Siedlungen, Industrie- und Eisenbahnanlagen bedecken rund 18% der Landesfläche.

Wälder

Die Wälder sind ein markantes Merkmal der saarländischen Landschaft. Laubwälder belegen dabei 24% der Landesfläche, während Mischwälder mit 11% und Nadelwälder mit 5% der Gesamtfläche vertreten sind.

Den Übergang vom Wald zum Umland fasst die Klasse Wald- Strauch- Übergangsstadien zusammen und beinhaltet auch Flächen zur Aufforstung. Diese Klasse belegt immerhin 1% der Landesfläche.

Siedlungsflächen

Im Saarland dominiert die nicht durchgängige städtische Prägung mit rund 15%. Das sind Siedlungsflächen, die durchbrochen sind von Straßen und inselhaften Grünflächen, also die typische Kleinstadt- und Dorfstruktur.  Die durchgängig städtische Prägung ist im Gegensatz nur mit 0,11% vertreten. Diese findet man ausschließlich nur in Saarbrücken und Völklingen.

Sport- und Freizeitanlagen und städtische Grünflächen belegen zusammen rund 0,7% der Landesfläche. Ein Grund für die gerine Zahl ist sicherlich die oben erwähnte MKU von 25ha. Viele der Flächen werden den umliegenden Strukturen zugeordnet worden sein und tauchen deshalb gar nicht in der Landnutzung auf.

Industrieflächen

Industrie- und Gewerbeflächen hingegen belegen lediglich 2,74% der Landesfläche. Im Landesdurchschnitt ist also keine Spur vom industriell geprägten Saarland zu sehen. Auf Gemeindeebene sieht das Bild individuell natürlich etwas anders aus.

Eisenbahnflächen (0,14%), Hafengebiete (0,02%) und Flughäfen (0,05%) belegen nicht einmal 1% der Landesfläche und treten nur sehr vereinzelt auf. Am prägnantesten sind sicherlich noch die Eisenbahnflächen, die wie zu erwarten entlang der Schienentrassen im Saarland liegen.

Landwirtschaftlich genutzte Flächen

Den Großteil der landwirtschaftlichen Flächen machen Wiesen und Weiden mit 23% aus. Wiesen und Weiden werden hauptsächlich zur Futtergewinnung und Beweidung von Vieh genutzt. Nicht bewässertes Ackerland belegt rund 15% der Landesfläche und umfasst unter anderem Flächen zum Anbau von Getreide, Gemüse und Futter- und Industriepflanzen.

Mit komplexer Parzellenstruktur ist ein Nebeneinander von einjährigen Kulturen, Weideland und Dauerkulturen gemeint. Parzellen mit komplexer Struktur belegen immerhin noch 1,1% der Landesfläche.

Landwirtschaftlich genutztes Land mit Flächen natürlicher Bodenbedeckung von signifikanter Größe taucht mit rund 1% der Landesfläche in der Statistik auf und beschreibt landwirtschaftliche Flächen, die von natürlicher Vegetation unterbrochen werden.

Die am Ende der Tabelle auffällige Sumpffläche befindet sich im der Gemeinde Überherrn an der Grenze zu Frankreich. Die saarländischen Weinanbaugebiete belegen nicht einmal 1% der Landesfläche und befinden sich, wie zu erwarten, in der Gemeinde Perl.

Zusammenfassung

Insgesamt lässt sich festhalten, dass das Saarland mehrheitlich von Wäldern und Wiesen und Weiden geprägt ist. Siedlungsflächen gehören aber genauso zum Landschaftsbild und bilden das drittstärkste prägende Element in der Gesamtübersicht. Von den 44 Landnutzungsklassen, die in den Corine-Land-Cover-Daten vorgesehen sind, finden sich mehr als die Hälfte (25) auch im Saarland wieder. Somit ist die saarländische Landschaft abwechslungsreich geprägt und bietet eine Vielzahl an Landnutzungstypen.

Gerade die Mitte des Saarlandes zwischen Dillingen und Lebach ist sehr heterogen, mit relativ vielen kleinparzelligen Flächen und mit einem sehr abwechslungsreiches Bild. Sowohl der Norden zwischen Mettlach und Nonnweiler, als auch der Süden von Lauterbach bis nach Neunkirchen ist relativ stark von Waldflächen geprägt.

Während der südliche Teil mit Saarbrücken, Friedrichtstal, Sulzbach und Neunkirchen ein sehr dicht besiedeltes Gebiet mit relativ viel Wald ist, weist der Norden eine eher dörfliche Siedlungsstruktur auf.

Eine Beschreibung der Bedeutung der einzelnen Klassen lässt sich beim Umweltbundesamt einsehen.

Link zum Download der Karte

PDF: Landnutzung im Saarland (A3)

Update

Der vollständige Atlas der Landnutzung im Saarland ist mittlerweile verfügbar und deckt auch die Nutzung in den Gemeinden ab.

Teil Zwei

Der zweite Teil wird, wie weiter oben bereits angedeutet, die Gemeinden im speziellen untersuchen. Welche Gemeinde hat die meisten Waldflächen, welche hat die meiste bebaute Fläche, welche entspricht dem Landesdurchschnitt am ehesten und wo ist die Landwirtschaft besonders stark repräsentiert?

Am Ende des Projektes möchte ich gerne einen Atlas veröffentlichen, der diese Fragen beantwortet und mittels Karten, Diagrammen und Tabellen erklärt und darstellt – einen Atlas der saarländischen Landschaft.